Tuesday

25th Apr 2017

Hohe Cyber-Bedrohung für Frankreichs Wahlen

  • Experten des französischen Auslandsgeheimdienstes warnen, dass vom Kreml finanzierte Hacker und Cybersoldaten versuchen könnten den Wahlkampf zu beeinflussen. (Photo: Yuri Samoilov)

Um einen möglichen Cyber-Angriff abzuwenden sind die französischen Sicherheitsbehörden in höchste Alarmbereitschaft versetzt worden. Es geht darum einer möglichen Attacke zuvorzukommen, die das Ergebnis der bevorstehenden Präsidentschaftswahl beeinflussen könnte.

Hauptziele eines Angriffes könnten sowohl die Webseiten der Präsidentschaftskandidaten als auch Regierungsnetzwerke direkt sein.

  • Hollande: "Russland nutzt all seine Möglichkeiten, um die öffentliche Meinung zu beeinflussen." (Photo: elysee.fr)

Der französische Staatspräsident Francois Hollande erkennt die Bedrohungslage öffentlich an. Er beschuldigt Russland des Versuchs in den Wahlkampf vor dem ersten Wahlgang am 23. April, beziehungsweise der Stichwahl am 07. Mai einzugreifen.

In einem kürzlich in mehreren europäischen Zeitungen veröffentlichtem Interview sagte Hollande: "Russland nutzt alle seine Mittel, um die öffentliche Meinung zu beeinflussen".

Hollande führte weiter aus: "Es handelt sich zwar nicht um die gleiche Ideologie wie zu Zeiten der UdSSR, [jedoch] sind es manchmal die gleichen Methoden, gepaart mit mehr Technologie". Hollande fügte ferner hinzu, dass Russland sich "einer Strategie der Einflussnahme und Netzwerke mit sehr konservativen Moralvorstellungen“ bediene.

Ein Mitarbeiter der dem Premierminister unterstellten nationalen Agentur für Sicherheit der Informationssysteme (ANSSI), sagte gegenüber EUobserver : "Die Bedrohungen für französische Parteien und die Abstimmung selbst sind vielfältig".

Vor diesem Hintergrund schlugen die französischen Geheimdienste an höchster Stelle Alarm. Dies führte zu zwei Sicherheitssitzungen unter dem Vorsitz des Präsidenten Hollande im Elysee-Palast.

Bereits im Januar hatten Experten des französischen Auslandsgeheimdienstes, die Generaldirektion für äußere Sicherheit (DGSE), gewarnt, dass vom Kreml finanzierte Hacker und Cybersoldaten versuchen würden den Wahlkampf zu Gunsten der rechtsextremen Präsidentschaftsanwärterin Marine Le Pen zu beeinflussen. Hierzu würde versucht vor allem Le Pens Mitbewerber, und insbesondere den unabhängigen Kandidaten Emmanuel Macron, in Verruf zu bringen.

Macron, ein ehemaliger Wirtschaftsminister unter Hollande, wird als einer der Favoriten der Wahlen gehandelt und höchstwahrscheinlich in der Stichwahl gegen Le Pen antreten.

Im Rahmen des Verteidigungsrats Anfang März ordnete Hollande an "alle notwendigen Staatsmittel“ einzusetzen um "jedwede böswillige Einflussnahme", welche "den Wahlkampf und die Abstimmung beeinträchtigen könnte“ abzuwehren.

Der Umstand, dass die DGSE die Alarmbereitschaft im Verlauf des Wahlkampfes angehoben hat, ist beispiellos und deutet darauf hin, dass Cyber-Attacken bereits identifiziert oder verhindert wurden.

Bis Januar war die Aufmerksamkeit der Behörde fast ausschließlich auf die Bedrohungen von Anschlägen des Islamischen Staates (IS) gerichtet. Seit den Anschlägen von 2015 in Paris und dem Anschlag in Nizza im vergangenen Jahres herrscht in Frankreich Ausnahmezustand. Im Wahlkampf wurde die Bedrohungsstufe erneut erhöht.

Laut Aussagen diverser Quellen ist das Risiko von Cyberattacken mittlerweile vielfältiger verglichen mit dem letztjährigen US-Wahlkampf. Damals konzentrierten sich die Aktionen vermeintlicher, russischer Hacker vor allem auf das Sammeln von Informationen und kompromittierender Dokumente über die demokratische Präsidentschaftskandidatin Hillary Clinton.

"Guide d'hygiène informatique"

Dem EUobserver gegenüber berichtet eine Quelle, dass die Website von EN Marche!, Macrons politischer Bewegung, am 14. Februar kurzeitig nicht erreichbar war, nachdem sie Ziel zweier erfolgloser Hackerangriffe wurde.

Darüber hinaus wurde ein Versuch vereitelt, der darauf abzielte Zugang zu der Datenbank der Bewegung zu erlangen.

Laut Insidern werden zur Erschwerung von Cyber-Angriffen auf Macrons Webseite die Server im US-amerikanischen San Francisco gehostet. Macrons Team beschuldigt Russland hinter den Angriffen zu stehen, kann jedoch keine Beweise vorlegen um derartige Anschuldigungen zu untermauern.

Mitgliedern des Wahlkampfteams bestätigten, dass weiterreichende Vorsichtsmaßnahmen ergriffen wurden. Zum Beispiel werden während Besprechungen Handys ausgeschaltet oder auf WhatsApp zurückgegriffen um Nachrichten auszutauschen. Einige Wahlkämpfer hatten zuvor Telegram benutzt, da es als sicherer erachtet wurde. Jedoch handelt es sich bei dem Programm um eine in Russland entwickelte App.

Nichtsdestotrotz scheint es, dass die Wahlkampfteams immer noch nicht hinreichend vorbereitet sind um einen größeren Angriff abwehren zu können.

ANSSI beraumte am 28. Oktober 2016 ein Briefing mit den Verantwortlichen für die Webseiten aller französichen Paräsientschaftskandidaten an. An dem Treffen nahmen keine Vertreter der Front National teil.

Im Verlauf des Treffens wurden die Verantwortlichen über Risiken und Bedrohungen von Cyberattacken aufgeklärt. Unter anderem wurde ihnen ein USB-Stick übergeben, der einen "Guide d'hygiène informatique" enthielt, welcher den Verantwortlichen helfen soll ihre Netzwerke abzusichern.

Als vier Monate später das auf Datensicherheit spezialisierten Online Magazin Zataz die Webseiten der einzelnen Kandidaten untersucht, waren immer noch dutzende Sicherheitslücken, vor allem in Bezug auf den Schutz personenbezogener Daten vorhanden.

Daneben zeigen sich französische Behörden darüber besorgt, dass auch ihre eigenen Netzwerke Ziel von Angriffen werden könnten. Beispielsweise könnten Hacker versuchen den Abstimmungsprozess an sich zu manipulieren.

Keine elektronische Abstimmung

Anfang März beschloss die Regierung, dass im Ausland lebende Franzosen nicht mit Hilfe von elektronischen Abstimmungsverfahren bei der im Juni anstehenden Parlamentswahl wählen dürfen. Der Einsatz von elektronischen Abstimmungsverfahren bei der Präsidentschaftswahl war aber ohnehin nicht vorgesehen.

Zwar sei, wie Guillaume Poupard, Chef von ANSSI, öffentlich äußerte, das aktuelle elektronische Wahlsystem "zuverlässiger" als bei der vorangegangenen Wahl 2012, jedoch sei auch "die heutige Bedrohungslage um ein vielfaches größer".

Experten weisen auch darauf hin, dass zusätzlich zu der Bedrohung durch Hacker, das elektronische Wahlsystem an sich unzuverlässig sei. So war es Wählern im Rahmen von Vorversuchen nicht möglich gewesen sich in das System einzuloggen.

Bedrohungen durch Hacker stellen jedoch keineswegs ein Novum für französische Wahlen dar.

So wurden während der vorherigen Präsidentschaftswahl 2012 Rechner von mehreren Beamten im Amtssitz des damaligen Präsidenten Nicolas Sarkozy gehackt.

Wie jedoch der technische Abteilungsleiter der DGSE bei einer einige Monate später stattfindenden Konferenz offenbarte, stammten diese Attacken aus den Vereinigten Staaten.

Dieser Artikel wurde ursprünglich auf englisch veröffentlicht. Die Originalversion finden Sie hier.

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