Friday

20th Oct 2017

Oxford-Studie besorgt über 'Schrott' News in Frankreich

  • Das Oxford Internet Institute ist Teil der renommierten britischen Universität Oxford (Photo: Matthew and Heather)

Eine britische Studie besagt, dass vor den Wahlen in Frankreich Fake News auf Twitter eine enorme Rolle spielten und so Bedenken bezüglich russischer Einflussnahme nährten.

Die Studie des Oxford Internet Institutes, welches zur Universität Oxford gehört, wurde am Freitag (21. April) veröffentlicht. Die Studie ergab, dass jede vierte Politnachricht, die in Frankreich von Twitter-Nutzern im Vorfeld der am Sonntag stattgefundenen-Präsidentschaftswahl verbreitet wurde, ein absichtlich falscher oder "Schrott" Artikel war, der "extrem ideologische, äußerst parteiische oder verschwörerische" Ansichten vertrat.

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  • Einer von vier Tweets teilte "extreme, äußerst parteiische oder verschwörerische" Geschichten (Photo: europarl.europa.eu)

Die Studie zeigt, dass im Vorfeld der deutschen Präsidentschaftswahlen im Februar, "die Deutschen für vier professionell produzierte Nachrichten einen Schrottartikel teilten".

Ferner stellte die Studie fest, dass das Problem weniger akut war als bei den US-Wahlen, als Schrottnachrichten, zum Beispiel im Bundesstaat Michigan, zuweilen im Verhältnis eins zu zwei geteilt wurden.

Die Studie zeigt, dass der Großteil des französischen Ausstoßes an Schrottnachrichten auf den gemäßigten, pro-EU und Russland-kritischen Kandidaten Emmanuel Macron abzielte. Jedoch verbreiteten "hoch automatisierte Konten" auch große Mengen an Traffic über den mitte-rechts Kandidaten Francois Fillon, der als russlandfreundlich gilt.

Die Studie aus Oxford kommt kurz nach einer ähnlichen Studie von dem in Großbritannien ansässigen Internet-Forschungsunternehmen Bakamo.

Bakamo verlautbarte am vergangenen Mittwoch, dass 19,2 Prozent der Social Media Nutzer in Frankreich in den vergangenen sechs Monaten Links zu Artikeln geteilt hatten, die sich nicht an "journalistische Standards hielten" und "radikale Meinungen ... zur Erschaffung eines zerstörerischen Narratives" zum Ausdruck brachten.

Bakamo sagte, dass weitere 5 Prozent "Narrative" enthielten, "die oft mythischer, oder beinahe theologischer Natur" waren oder "Verschwörungstheorien" diskutierten.

Die fingierten Nachrichten favorisierten vor allem Anti-EU oder Pro-Russland Kandidaten. Hierzu gehörten neben der rechtsaussen Wortführerin Marine Le Pen, der Kandidat der radikalen Linken Jean-Luc Melenchon, der selbst ernannte "Frexit" Kandidat Francois Asselineau und der trotzkistische Kandidat Philippe Poutou.

Die Studie von Bakamo fand heraus, dass jeder fünfte der "zerstörerischen" Artikel von russischen Medien beeinflusst worden war und jeder zweite der "Verschwörungsartikel" auf Russland hindeutete.

Zwei der größten russischen Staatskanäle für Desinformation, RT und Sputnik, verfügen beide über französischsprachige Angebote.

Untersuchungen, des in der USA beheimateten Think Tank Atlantic Council, die letzte Woche veröffentlicht wurden, ergaben, dass "viel" von RT Frankreichs Berichterstattung "hinreichend ausgeglichen" ist.

"[RT Frankreich] tendierte dazu Kritik an Macron zu melden, aber zumindest wurde die eigene Position des Kandidaten, wenn auch oft kurz, erwähnt", so der Think Tank.

Aber in Bezug auf Sputnik Frankreich kam der Atlantic Council zum Schluss, dass dieser eine "deutliche Voreingenommenheit" gegenüber Macron und eine Unterstützung für Le Pen und Fillon aufwies.

Sputnik Frankreich behauptete beispielsweise in fünf Artikeln im Februar und März, dass der französische Sender BFMTV Macron, den Sputnik Frankreich als "Liebling" der Mainstream-Medien taufte, mehr Sendezeit als seinen Rivalen gewährte, obwohl die französische Medienregulierungsstelle CSA erklärte, dass dies nicht wahr sei.

Des Weiteren behauptete Sputnik Frankreich in einer Reihe von Artikeln im März, dass die Umfragen einen Sieg von Fillon voraussagen würden, obwohl dies aus den meisten Umfragen nicht zu ersehen war.

Sputnik Frankreich stützte seine Berichte dabei auf die Zahlen von Brand Analytics, einem in Moskau ansässigen Unternehmen, dessen Methodik von einer anderen französischen Behörde, der Commission des Sondages, als nicht repräsentativ eingestuft worden war.

Der Atlantic Council gab in einem früheren Bericht an, dass RT Frankreich und Sputnik Frankreich nur 102.000 Follower auf Twitter hätten im Vergleich zu Mainstream-Medien, wie der Nachrichtenagentur AFP mit 2,6 Millionen Followern.

Der US Think Tank sagte, dass in der von ihr untersuchten Stichprobe, die Nutzer von RT Frankreich und Sputnik Frankreich mit beinahe 5 Tweets pro Follower viel aktiver waren, als die Follower anderen Medien mit nur 1,5 Tweets. Darüber hinaus hätten die RT und Sputniknutzer eine "starke politische Voreingenommenheit" aufgewiesen, die weitgehend pro-Russland und gegen Macron war.

Der Atlantic Council berichtete des Weiteren, dass die von Sputnik Frankreich produzierten Inhalte entweder durch automatisierte "Bots" verbreitet wurden oder durch Twitter-Konten, die keine persönlichen Benutzerinformationen enthielten und mehr als 100 Mal pro Tag Tweets absetzten.

Die Denkfabrik sagte, dass fast ein Drittel (28%) der Follower von Sputnik Frankreich Follower dieser Art seien und dass die produktivsten Bots von RT Frankreich oder Sputnik Frankreich, wie zum Beispiel @RTenfrancais oder @heelleclech, im Durchschnitt 392 bis 777 mal pro Tag Inhalte tweeten oder retweeten würden.

Dieser Artikel wurde ursprünglich auf Englisch veröffentlicht.

This article was originally published in English.

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