Wednesday

16th Aug 2017

Interview

Russland baut einen 'Bogen aus Eisen' um Europa

  • Zu Anfang des Jahres besuchte der libyische Kriegsherr Haftar den russischen Flugzeuträger Admiral Kusnezow (Photo: royalnavy.mod.uk)

Russlands Eingreifen in Libyen ist laut Italiens ehemaligem Militärchef darauf ausgerichtet Europa in einem "Great Game" der Geostrategie einzukreisen.

Luigi Binelli Mantelli, der die italienischen Streitkräfte von 2013 bis 2015 befehligte, erklärte gegenüber EUobserver, dass hinter dem russischen Versuch, in Libyen Fuss zu fassen, höhere Interessen als Öl, Migranten oder Terroristen stünden.

Thank you for reading EUobserver!

Subscribe now and get 40% off for an annual subscription. Sale ends soon.

  1. €90 per year. Use discount code EUOBS40%
  2. or €15 per month
  3. Cancel anytime

EUobserver is an independent, not-for-profit news organization that publishes daily news reports, analysis, and investigations from Brussels and the EU member states. We are an indispensable news source for anyone who wants to know what is going on in the EU.

We are mainly funded by advertising and subscription revenues. As advertising revenues are falling fast, we depend on subscription revenues to support our journalism.

For group, corporate or student subscriptions, please contact us. See also our full Terms of Use.

If you already have an account click here to login.

  • Binelli Mantelli (l) befehligte Italiens Streitkräfte für zwei Jahre (Photo: eeas.europa.eu)

Laut Binelli Mantelli sei es das übergeordnete Ziel des russische Staatschefs, Wladimir Putin, dass Russland, "eine größer werdende Rolle als globale Macht spiele, [und dadurch] sogar die USA in ihrer seit Ende des Kalten Krieges bestehenden Rolle als Führungsnation der Internationalen Weltordnung überhole".

Er erläuterte, dass Russland dies durch eine "Stärkung seiner strategischen Präsenz" in der Arktis, der Ostsee, dem Schwarzen Meer und dem Mittelmeerraum durch einen "Bogen aus Eisen" umsetze.

Der pensionierte Admiral erklärte, dass die von ihm vertretenen Ansichten seine eigenen seien und nicht die offizielle Position Italiens darstellen. Italien als ehemalige Kolonialmacht Libyens, leitet die Bemühungen der EU, die Ordnung im dem gespaltenen Land wiederherzustellen.

Der neue "Bogen aus Eisen" hat dazu geführt, dass Russland aus der Sowjet-Ära stammende Militärbasen im hohen Norden reaktiviert und die militärischen Kräfte in seiner an der Ostsee gelegenen Kaliningrader Exklave verdoppelt hat.

Daneben besetzte Russland vor drei Jahren die zur Ukraine gehörende Krim und baut seitdem seine militärische Präsenz auf der Schwarzmeerhalbinsel aus.

Ferner verstärkt Russland seine Marinebasis in Syrien und vereinbarte mit China eine in Dschibuti gelegene Marinebasis gemeinsam zu nutzen.

Darüber hinaus werden enge Beziehungen zu Ägypten und mit dem libyschen Kriegsherren, Khalifa Haftar, gepflegt.

"Wenn man sich die [russischen] Marinestützpunkte ansieht, insbesondere die gemeinsame Basis mit China, dann ist Europa gewissermaßen auf seiner östlichen und südlichen Flanke eingekreist", so Binelli Mantelli.

Laut dem Ex-Admiral, sei im Ukraine-Konflikt eine "Patt"-Situation erreicht worden. Jedoch befinde sich der Westen nun in einem "offenen Konkurrenzkampf" mit Russland um den Einfluss im Mittelmeerraum.

In Libyen hat Russland den ehemaligen Armeechef Haftar, der den Osten des Landes kontrolliert, mit Geld, Ausrüstung, Training und diplomatischer Unterstützung versorgt.

Libyen und Haftar

Binelli Mantelli stellte klar, dass Haftar als einziger dannach aussehe als könne er die Ordnung im Land wiederherstellen.

Die EU- und Nato-Staaten hatten bis jetzt die von der UN anerkannte Nationale Einheitsregierung in Tripolis unterstützt. Der italienische Admiral meint jedoch, dass diese "schwach" sei.

"Die einzige Partei in Libyen ... die die Möglichkeit hat, die Einheit oder zumindest die Kontrolle über das Land wiederzuerlangen, ist Haftar. Die Regierung in Tripolis ist sehr schwach und [dazu] gespalten und könnte jederzeit zusammenbrechen ", so Binelli Mantelli.

Er wies daraufhin, dass es "angemessen" sei zu erwarten, dass Putin als Gegenleistung für seine Unterstützung von Haftar fordere, dass er dem Bau einer russischen Marinebasis in Libyen zustimmt.

Binelli Mantelli unterstrich, dass die russischen Auslandseinsätze nicht "als militärische Operationen" gegen die EU betrachtet werden sollen, sondern "als eine Großstrategie, ein großes Spiel", um seine globalen Status zu verbessern.

Ferner sagte er, dass es die Rolle der Nato und nicht der EU sei, mit Russland um Einfluss zu konkurrieren.

Zwar bestehen Pläne der EU-Staaten, die eine tiefere militärische Zusammenarbeit vorsehen, jedoch befinden sich diese noch in einem frühen Stadium.

Darüber hinaus sind die EU-Staaten in Kernfragen, wie der weiteren Integration und der Bewältigung der Flüchtlingskrise, gespalten. Daneben haben sie mit dem Brexit und einer isolationistischen Kehrtwende der USA unter der Führung Donald Trumps zu kämpfen.

"Meiner Meinung nach ist die EU heute keine strategische Macht", sagte Binelli Mantelli.

Realpolitik

Ferner meinte er, dass der Westen einen Fehler mit dem Versuch gemacht hat, Länder wie Georgien, in das Russland 2008 einmarschierte, und die Ukraine einzubinden.

Binelli Mantelli meinte, dass ein "vorsichtigerer Ansatz" in diesem "sensiblen" ehemaligen sowjetischen Einflussgebiet "positivere Ergebnisse" hinsichtlich des Ausbaus westlichen Einflusses erreicht hätte.

Der Westen sollte "eine klare und realistische Strategie gegenüber Russland wählen ... welche mehr Zusammenarbeit anstatt offener Opposition gegen Putins Schritte bedeutet ", erklärte er und bezog sich dabei auf die Zusammenarbeit in Bezug auf Migranten, Terrorismusbekämpfung und dem Wiederaufbau Libyens.

Er erläuterte ferner, dass man "gleichzeitig" mit Russland konkurrieren müsse, indem man eigene engere Beziehungen zu China, Ägypten, Iran und Libyen aufbaue.

Binelli Mantelli unterstrich, dass seine Einschätzungen "realpolitischer" Natur seien und daher demokratische oder humanitäre Werte beiseite ließen.

"Ich bin nicht für Putin. Ich bin nur realistisch ", stellte der pensionierte Admiral klar.

"Haftar ist unter realpolitischen [Aspekten] die beste Wahl für Libyen, nicht [jedoch] in Bezug auf Demokratie oder Menschenrechte", erklärte der Italiener.

"In Libyen braucht es jemanden der stark ist, wie Gaddafi. Dieser war fähig, diese Leute [Libyens bewaffnete Stämme] zu beherrschen. Das ist [zwar] nicht politisch korrekt, aber man sollte realistisch sein ", unterstrich er bezüglich Libyens getöteten Diktator, Muammar Gaddafi.

Dieser Artikel wurde ursprünglich auf Englisch veröffentlicht.

This article was originally published in English.

Interview

Französische und deutsche Wahlen 'entscheidend' für Putin

Die Schwächung der EU durch Einflussnahme auf die französischen und deutschen Wahlen wird in diesem Jahr an erste Stelle der russischen Außenpolitik stehen, warnt der russische Oppositionsführer Mikhail Kassjanow.

Putin mischt sich in französische Wahlen ein

Putin behandelt die französische Anti-EU Präsidentschaftskandidatin Le Pen, als ob sie die Wahlen bereits gewonnen habe. Le Pen: "Meine Sichtweise… ist identisch zur russischen."

Investigation

Fight Club: Russische Spione suchen EU-Rekruten

Sicherheitsexperten warnen, dass russische Geheimdienste Kampfsportvereine nutzen, um potenzielle Unruhestifter in Deutschland und anderen EU-Ländern zu rekrutieren.

News in Brief

  1. Russian power most feared in Europe
  2. UK unemployment lowest since 1975
  3. Europe facing 'explosive cocktail' in its backyard, report warns
  4. Danish police to investigate misuse of EU fishing rules
  5. German constitutional court questions ECB's €2tn spending
  6. Low support for Norway's labour party ahead of elections
  7. Slovakia's future is with core EU, says PM
  8. Italy relieved as migration drops to lowest level since 2014

Stakeholders' Highlights

  1. ACCABusinesses Must Grip Ethics and Trust in the Digital Age
  2. European Jewish CongressEJC Welcomes European Court of Justice's Decision to Keep Hamas on Terror List
  3. UNICEFReport: Children on the Move From Africa Do Not First Aim to Go to Europe
  4. Centre Maurits CoppietersWe Need Democratic and Transparent Free Trade Agreements Says MEP Jordi Solé
  5. Counter BalanceOut for Summer, Ep. 2: EIB Promoting Development in Egypt - At What Cost?
  6. EU2017EELocal Leaders Push for Local and Regional Targets to Address Climate Change
  7. European Healthy Lifestyle AllianceMore Women Than Men Have Died From Heart Disease in Past 30 Years
  8. European Jewish CongressJean-Marie Le Pen Faces Trial for Oven Comments About Jewish Singer
  9. ACCAAnnounces Belt & Road Research at Shanghai Conference
  10. ECPAFood Waste in the Field Can Double Without Crop Protection. #WithOrWithout #Pesticides
  11. EU2017EEEstonia Allocates €1 Million to Alleviate Migratory Pressure From Libya in Italy
  12. Dialogue PlatformFethullah Gulen's Message on the Anniversary of the Coup Attempt in Turkey

Stakeholders' Highlights

  1. Martens CentreWeeding out Fake News: An Approach to Social Media Regulation
  2. European Jewish CongressEJC Concerned by Normalisation of Antisemitic Tropes in Hungary
  3. Counter BalanceOut for Summer Ep. 1: How the EIB Sweeps a Development Fiasco Under the Rug
  4. CESICESI to Participate in Sectoral Social Dialogue Committee on Postal Services
  5. ILGA-EuropeMalta Keeps on Rocking: Marriage Equality on Its Way
  6. European Friends of ArmeniaEuFoA Director and MEPs Comment on the Recent Conflict Escalation in Nagorno-Karabakh
  7. EU2017EEEstonian Presidency Kicks off Youth Programme With Coding Summer School
  8. EPSUEP Support for Corporate Tax Transparency Principle Unlikely to Pass Reality Check
  9. Counter BalanceEuropean Parliament Improves the External Investment Plan but Significant Challenges Ahead
  10. EU2017EEPM Ratas: EU Is Not Only an Idea for the 500mn People in the Bloc, It Is Their Daily Reality
  11. Nordic Council of MinistersCloser Energy Co-Operation Keeps Nordic Region on Top in Green Energy