Thursday

21st Nov 2019

Investigation

Russland, die Rechtsextremen und Anti-Macron-Bots

  • Die Zahlen deuten darauf hin, dass die Twitter-Gefolgschaft von Russlands RT und Sputnik "ungewöhnlich engagiert und ungewöhnlich aktiv" ist.

Tausende von automatisierten Social Network Konten werden dazu verwendet, Fake-News zu verbreiten, die den moderaten Kandidaten, Emmanuel Macron, im Vorfeld der Stichwahlen zum französischen Präsidenten am Sonntag (7. Mai) attackieren.

Fake-News, die oft von russischen Nachrichtensendern wie RT oder Sputnik stammen, haben sich wochenlang auf Macron konzentriert, der gegen die von Russland unterstütze, rechtsextreme Kandidatin,Marine Le Pen, antritt.

Read and decide

Join EUobserver today

Support quality EU news

Get instant access to all articles — and 20 year's of archives. 30-day free trial.

... or join as a group

Der Forscher Ben Nimmo, der alle Beiträge untersucht hat, die RT Frankreich und Sputnik Frankreich erwähnen oder retweeten, stellte fest, dass einige der Fake-News verbreitenden Konten, offen Pro-Russland wären, aber die meisten auch "stramm französisch-nationalistisch und gegen Emmanuel Macron" sind.

Nimmo, der Senior Fellow für Informationsverteidigung am Washingtoner Digital Forensic Research Lab ist, sagte gegenüber EUobserver, dass diese Konten auch nicht im Hinblick auf ihre politischen Ansichten über Frankreich geeint seien.

Einige unterstützten Le Pen, andere unterstützten Francois Asselineau, einen weiteren anti-EU Kandidaten, der es aber nicht in die Stichwahl schaffte.

Allerdings scheinen sich seine Untersuchungen über Gerüchte, von der Verwendung von Twitterbots bei der Wahl, zu bestätigen.

"Einige der aktivsten Verstärker schienen stark automatisiert zu sein und tweeteten Hunderte Male am Tag. Davon waren über 98 Prozent der Posts Retweets", sagte er.

Bots sind Konten, die von Algorithmen gesteuert werden, mit wenig oder gar keinem Eingriff durch einen menschlichen Nutzer.

Nimmo und seine Kollegen kamen zu dem Ergebnis, dass ein Konto ein Bot war, wenn es keine persönlichen Informationen über den Benutzer enthielt, mehr als 100 Mal am Tag tweetete und mehr als 85 Prozent seiner Posts Retweets waren.

Sputnik Frankreich und RT Frankreich sind mehr als andere Nachrichtenorganisationen auf automatisierte Konten angewiesen.

Während die Anzahl der Beiträge, die den BBC World Twitter Kanal retweeten oder erwähnten, durchschnittlich bei 1,5 Tweets pro Nutzer lag, lag der Wert bei den Tweets, die Sputnik und RT erwähnten, bei 4,7 und 4,8 Tweets pro Tag pro Nutzer.

Trendthemen

"Diese Zahlen deuten darauf hin, dass die Twitter-Follower von RT und Sputnik ungewöhnlich engagiert und ungewöhnlich aktiv ist", stellte Nimmos Studie fest.

"Potentiell kann jeder dafür sorgen, dass ein Gerücht über einen Politiker zum Lauffeuer wird, aber wenn man Zugang zu einem Netzwerk von Sympathisanten oder bezahlten / freiwilligen Trollen hat, dann kann man leicht mehrere Hunderttausend oder gar Millionen Menschen erreichen", erklärte der niederländische Experte für Fake-News, Ruurd Oosterwoud, gegenüber EUobserver.

Aber auch solch ein Einfluss hat nicht immer den gewünschten Effekt. Laut Nimmo gelang es den automatisierten Konten in Frankreich viel Inhalt zu schaffen und sogar die Twitter-Trendthemen zu beeinflussen, aber sie hatten "nur eine kleine Wirkung" auf die öffentliche Debatte.

Die Konten haben es nicht geschafft viele Menschen außerhalb der Kreise der französischen extemen Rechten zu erreichen.

Dennoch konnten weder Nimmo noch Oosterwoud feststellen, wer hinter den automatisierten Konten steckt.

Es ist einfach, Bots oder sogar Botnetze zu erschaffen, deshalb ist es "fast unmöglich nachzuweisen, wer dahinter steckt", so Oosterwoud. Er legt nahe, einen größeren Schwerpunkt darauf zu legen, den Ursprung der Fake-News zu ermitteln.

Scherzgeschichten

CrossCheck, eine Faktenchecking-Allianz der französischen Medien, die den Ursprung von Fake-News überwacht, fand nach der ersten Wahlrunde am 23. April neue Quellen.

Eine fingierte Geschichte, dass Macron plane die Türkei in die EU zu integrieren, wurde von der rechtsextremen, französischen Plattform On aime la France (Wir lieben Frankreich) in die Welt gesetzt.

CrossCheck stellte auch fest, dass mehrere Nachrichten, die in sozialen Netzwerken verbreitet wurden, in Wirklichkeit satirischer Natur waren, die nicht vorgaben wahr zu sein.

Eine Geschichte über Pläne Macrons die Familienzulagen abzuschaffen, begann als Witz in dem satirischen Forum Flashinfo.

Eine andere Geschichte über Macron, die besagte, dass er sich seine Hände nach Händeschütteln den Arbeitern wusch, war ebenfalls mit satirischen Inhalten verknüpft. In diesem Fall mit der Satirewebseite Le Gorafi. Laut CrossCheck wurde diese Geschichte hauptsächlich von französischen Rechtsextremisten und Unterstützern von Wladimir Putin geteilt.

"Auch wenn sich diese Nachrichten als falsch erwiesen, hatten diese Geschichten eine ausreichende Wirkung auf die sozialen Netzwerke", sagte Walid Salem von Rue89Bordeaux, ein CrossCheck-Mitglied.

Währenddessen setzen die russischen Kanäle ihre anti-Macron Berichterstattung fort, was den Kandidaten letzte Woche dazu veranlasste , Sputnik und RT von Wahlkampfveranstaltungen auszuschließen.

"Medien auszusperren, so richtig sich das auch anfühlen mag, ist keine Lösung", bemerkte Oosterwoud.

Er sagte, dass Faktenchecken und die Bevölkerung darüber aufzuklären wie redaktionelle Prozesse traditioneller Medien verlaufen, effizienter sind um Fake-News zu bekämpfen. Der US-amerikanische Experte Nimmo fügte hinzu, dass die Aufklärung der Öffentlichkeit zum Thema Fake-News auch stattfinden müsse.

Dieser Artikel wurde ursprünglich auf Englisch veröffentlicht.

This article was originally published in English.

Interview

Französische und deutsche Wahlen 'entscheidend' für Putin

Die Schwächung der EU durch Einflussnahme auf die französischen und deutschen Wahlen wird in diesem Jahr an erste Stelle der russischen Außenpolitik stehen, warnt der russische Oppositionsführer Mikhail Kassjanow.

Neuer Ausgabenskandal für Le Pens EU Fraktion

Eine interne Rechnungsprüfung, die von EUobserver gesehen wurde, weist einen Fehlbetrag von einer halben Million Euro in den Büchern der Fraktion Europa der Nationen und Freiheit auf

Richter bleiben an Le Pens Fall zu Scheinbeschäftigungen dran

Während die Europaabgeordneten am Montag begonnen haben einen Antrag zur Aufhebung der parlamentarischen Immunität von Marine Le Pen zu prüfen, versuchen in Paris Richter die Schlinge um die rechtsextreme, französische Anführerin enger zu ziehen.

News in Brief

  1. Berlusconi wants Europe to be a military global power
  2. Orban ordered to apologise over 'misleading' Soros survey
  3. EPP to decide on expelling Fidesz by end of January
  4. Rowdy anti-corruption protest in Malta
  5. Ambassador: Trump ordered Ukraine election meddling
  6. EU links Libyan government to human trafficking
  7. Greek PM on migration: 'Greece has reached its limits'
  8. Luxembourg: EU ought to recognise Palestine

Stakeholders' Highlights

  1. Nordic Council of MinistersEarmarked paternity leave – an effective way to change norms
  2. Nordic Council of MinistersNordic Climate Action Weeks in December
  3. UNESDAUNESDA welcomes Nicholas Hodac as new Director General
  4. Nordic Council of MinistersBrussels welcomes Nordic culture
  5. UNESDAUNESDA appoints Nicholas Hodac as Director General
  6. UNESDASoft drinks industry co-signs Circular Plastics Alliance Declaration
  7. FEANIEngineers Europe Advisory Group: Building the engineers of the future
  8. Nordic Council of MinistersNew programme studies infectious diseases and antibiotic resistance
  9. UNESDAUNESDA reduces added sugars 11.9% between 2015-2017
  10. International Partnership for Human RightsEU-Uzbekistan Human Rights Dialogue: EU to raise key fundamental rights issues
  11. Nordic Council of MinistersNo evidence that social media are harmful to young people
  12. Nordic Council of MinistersCanada to host the joint Nordic cultural initiative 2021

Latest News

  1. EPP wants to re-open accession talks with Balkans
  2. New EU financial instruments needed
  3. Binding measures to expand gender balance
  4. Watershed moment for rule of law in Hong Kong
  5. EU Africa envoy: Europe needs to look beyond migration
  6. New calls for Muscat to resign over journalist's murder
  7. Tusk pledges 'fight' for EU values as new EPP president
  8. Don't lead Europe by triggering its fears

Stakeholders' Highlights

  1. Vote for the EU Sutainable Energy AwardsCast your vote for your favourite EUSEW Award finalist. You choose the winner of 2019 Citizen’s Award.
  2. Nordic Council of MinistersEducation gets refugees into work
  3. Counter BalanceSign the petition to help reform the EU’s Bank
  4. UNICEFChild rights organisations encourage candidates for EU elections to become Child Rights Champions
  5. UNESDAUNESDA Outlines 2019-2024 Aspirations: Sustainability, Responsibility, Competitiveness
  6. Counter BalanceRecord citizens’ input to EU bank’s consultation calls on EIB to abandon fossil fuels
  7. International Partnership for Human RightsAnnual EU-Turkmenistan Human Rights Dialogue takes place in Ashgabat
  8. Nordic Council of MinistersNew campaign: spot, capture and share Traces of North
  9. Nordic Council of MinistersLeading Nordic candidates go head-to-head in EU election debate
  10. Nordic Council of MinistersNew Secretary General: Nordic co-operation must benefit everybody
  11. Platform for Peace and JusticeMEP Kati Piri: “Our red line on Turkey has been crossed”
  12. UNICEF2018 deadliest year yet for children in Syria as war enters 9th year

Join EUobserver

Support quality EU news

Join us