Friday

20th Oct 2017

Investigation

Russland, die Rechtsextremen und Anti-Macron-Bots

  • Die Zahlen deuten darauf hin, dass die Twitter-Gefolgschaft von Russlands RT und Sputnik "ungewöhnlich engagiert und ungewöhnlich aktiv" ist.

Tausende von automatisierten Social Network Konten werden dazu verwendet, Fake-News zu verbreiten, die den moderaten Kandidaten, Emmanuel Macron, im Vorfeld der Stichwahlen zum französischen Präsidenten am Sonntag (7. Mai) attackieren.

Fake-News, die oft von russischen Nachrichtensendern wie RT oder Sputnik stammen, haben sich wochenlang auf Macron konzentriert, der gegen die von Russland unterstütze, rechtsextreme Kandidatin,Marine Le Pen, antritt.

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Der Forscher Ben Nimmo, der alle Beiträge untersucht hat, die RT Frankreich und Sputnik Frankreich erwähnen oder retweeten, stellte fest, dass einige der Fake-News verbreitenden Konten, offen Pro-Russland wären, aber die meisten auch "stramm französisch-nationalistisch und gegen Emmanuel Macron" sind.

Nimmo, der Senior Fellow für Informationsverteidigung am Washingtoner Digital Forensic Research Lab ist, sagte gegenüber EUobserver, dass diese Konten auch nicht im Hinblick auf ihre politischen Ansichten über Frankreich geeint seien.

Einige unterstützten Le Pen, andere unterstützten Francois Asselineau, einen weiteren anti-EU Kandidaten, der es aber nicht in die Stichwahl schaffte.

Allerdings scheinen sich seine Untersuchungen über Gerüchte, von der Verwendung von Twitterbots bei der Wahl, zu bestätigen.

"Einige der aktivsten Verstärker schienen stark automatisiert zu sein und tweeteten Hunderte Male am Tag. Davon waren über 98 Prozent der Posts Retweets", sagte er.

Bots sind Konten, die von Algorithmen gesteuert werden, mit wenig oder gar keinem Eingriff durch einen menschlichen Nutzer.

Nimmo und seine Kollegen kamen zu dem Ergebnis, dass ein Konto ein Bot war, wenn es keine persönlichen Informationen über den Benutzer enthielt, mehr als 100 Mal am Tag tweetete und mehr als 85 Prozent seiner Posts Retweets waren.

Sputnik Frankreich und RT Frankreich sind mehr als andere Nachrichtenorganisationen auf automatisierte Konten angewiesen.

Während die Anzahl der Beiträge, die den BBC World Twitter Kanal retweeten oder erwähnten, durchschnittlich bei 1,5 Tweets pro Nutzer lag, lag der Wert bei den Tweets, die Sputnik und RT erwähnten, bei 4,7 und 4,8 Tweets pro Tag pro Nutzer.

Trendthemen

"Diese Zahlen deuten darauf hin, dass die Twitter-Follower von RT und Sputnik ungewöhnlich engagiert und ungewöhnlich aktiv ist", stellte Nimmos Studie fest.

"Potentiell kann jeder dafür sorgen, dass ein Gerücht über einen Politiker zum Lauffeuer wird, aber wenn man Zugang zu einem Netzwerk von Sympathisanten oder bezahlten / freiwilligen Trollen hat, dann kann man leicht mehrere Hunderttausend oder gar Millionen Menschen erreichen", erklärte der niederländische Experte für Fake-News, Ruurd Oosterwoud, gegenüber EUobserver.

Aber auch solch ein Einfluss hat nicht immer den gewünschten Effekt. Laut Nimmo gelang es den automatisierten Konten in Frankreich viel Inhalt zu schaffen und sogar die Twitter-Trendthemen zu beeinflussen, aber sie hatten "nur eine kleine Wirkung" auf die öffentliche Debatte.

Die Konten haben es nicht geschafft viele Menschen außerhalb der Kreise der französischen extemen Rechten zu erreichen.

Dennoch konnten weder Nimmo noch Oosterwoud feststellen, wer hinter den automatisierten Konten steckt.

Es ist einfach, Bots oder sogar Botnetze zu erschaffen, deshalb ist es "fast unmöglich nachzuweisen, wer dahinter steckt", so Oosterwoud. Er legt nahe, einen größeren Schwerpunkt darauf zu legen, den Ursprung der Fake-News zu ermitteln.

Scherzgeschichten

CrossCheck, eine Faktenchecking-Allianz der französischen Medien, die den Ursprung von Fake-News überwacht, fand nach der ersten Wahlrunde am 23. April neue Quellen.

Eine fingierte Geschichte, dass Macron plane die Türkei in die EU zu integrieren, wurde von der rechtsextremen, französischen Plattform On aime la France (Wir lieben Frankreich) in die Welt gesetzt.

CrossCheck stellte auch fest, dass mehrere Nachrichten, die in sozialen Netzwerken verbreitet wurden, in Wirklichkeit satirischer Natur waren, die nicht vorgaben wahr zu sein.

Eine Geschichte über Pläne Macrons die Familienzulagen abzuschaffen, begann als Witz in dem satirischen Forum Flashinfo.

Eine andere Geschichte über Macron, die besagte, dass er sich seine Hände nach Händeschütteln den Arbeitern wusch, war ebenfalls mit satirischen Inhalten verknüpft. In diesem Fall mit der Satirewebseite Le Gorafi. Laut CrossCheck wurde diese Geschichte hauptsächlich von französischen Rechtsextremisten und Unterstützern von Wladimir Putin geteilt.

"Auch wenn sich diese Nachrichten als falsch erwiesen, hatten diese Geschichten eine ausreichende Wirkung auf die sozialen Netzwerke", sagte Walid Salem von Rue89Bordeaux, ein CrossCheck-Mitglied.

Währenddessen setzen die russischen Kanäle ihre anti-Macron Berichterstattung fort, was den Kandidaten letzte Woche dazu veranlasste , Sputnik und RT von Wahlkampfveranstaltungen auszuschließen.

"Medien auszusperren, so richtig sich das auch anfühlen mag, ist keine Lösung", bemerkte Oosterwoud.

Er sagte, dass Faktenchecken und die Bevölkerung darüber aufzuklären wie redaktionelle Prozesse traditioneller Medien verlaufen, effizienter sind um Fake-News zu bekämpfen. Der US-amerikanische Experte Nimmo fügte hinzu, dass die Aufklärung der Öffentlichkeit zum Thema Fake-News auch stattfinden müsse.

Dieser Artikel wurde ursprünglich auf Englisch veröffentlicht.

This article was originally published in English.

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