Sunday

24th Jun 2018

Investigation

Russland, die Rechtsextremen und Anti-Macron-Bots

  • Die Zahlen deuten darauf hin, dass die Twitter-Gefolgschaft von Russlands RT und Sputnik "ungewöhnlich engagiert und ungewöhnlich aktiv" ist.

Tausende von automatisierten Social Network Konten werden dazu verwendet, Fake-News zu verbreiten, die den moderaten Kandidaten, Emmanuel Macron, im Vorfeld der Stichwahlen zum französischen Präsidenten am Sonntag (7. Mai) attackieren.

Fake-News, die oft von russischen Nachrichtensendern wie RT oder Sputnik stammen, haben sich wochenlang auf Macron konzentriert, der gegen die von Russland unterstütze, rechtsextreme Kandidatin,Marine Le Pen, antritt.

Read and decide

Join EUobserver today

Support quality EU news

Get instant access to all articles — and 18 year's of archives. 30 days free trial.

... our join as a group

Der Forscher Ben Nimmo, der alle Beiträge untersucht hat, die RT Frankreich und Sputnik Frankreich erwähnen oder retweeten, stellte fest, dass einige der Fake-News verbreitenden Konten, offen Pro-Russland wären, aber die meisten auch "stramm französisch-nationalistisch und gegen Emmanuel Macron" sind.

Nimmo, der Senior Fellow für Informationsverteidigung am Washingtoner Digital Forensic Research Lab ist, sagte gegenüber EUobserver, dass diese Konten auch nicht im Hinblick auf ihre politischen Ansichten über Frankreich geeint seien.

Einige unterstützten Le Pen, andere unterstützten Francois Asselineau, einen weiteren anti-EU Kandidaten, der es aber nicht in die Stichwahl schaffte.

Allerdings scheinen sich seine Untersuchungen über Gerüchte, von der Verwendung von Twitterbots bei der Wahl, zu bestätigen.

"Einige der aktivsten Verstärker schienen stark automatisiert zu sein und tweeteten Hunderte Male am Tag. Davon waren über 98 Prozent der Posts Retweets", sagte er.

Bots sind Konten, die von Algorithmen gesteuert werden, mit wenig oder gar keinem Eingriff durch einen menschlichen Nutzer.

Nimmo und seine Kollegen kamen zu dem Ergebnis, dass ein Konto ein Bot war, wenn es keine persönlichen Informationen über den Benutzer enthielt, mehr als 100 Mal am Tag tweetete und mehr als 85 Prozent seiner Posts Retweets waren.

Sputnik Frankreich und RT Frankreich sind mehr als andere Nachrichtenorganisationen auf automatisierte Konten angewiesen.

Während die Anzahl der Beiträge, die den BBC World Twitter Kanal retweeten oder erwähnten, durchschnittlich bei 1,5 Tweets pro Nutzer lag, lag der Wert bei den Tweets, die Sputnik und RT erwähnten, bei 4,7 und 4,8 Tweets pro Tag pro Nutzer.

Trendthemen

"Diese Zahlen deuten darauf hin, dass die Twitter-Follower von RT und Sputnik ungewöhnlich engagiert und ungewöhnlich aktiv ist", stellte Nimmos Studie fest.

"Potentiell kann jeder dafür sorgen, dass ein Gerücht über einen Politiker zum Lauffeuer wird, aber wenn man Zugang zu einem Netzwerk von Sympathisanten oder bezahlten / freiwilligen Trollen hat, dann kann man leicht mehrere Hunderttausend oder gar Millionen Menschen erreichen", erklärte der niederländische Experte für Fake-News, Ruurd Oosterwoud, gegenüber EUobserver.

Aber auch solch ein Einfluss hat nicht immer den gewünschten Effekt. Laut Nimmo gelang es den automatisierten Konten in Frankreich viel Inhalt zu schaffen und sogar die Twitter-Trendthemen zu beeinflussen, aber sie hatten "nur eine kleine Wirkung" auf die öffentliche Debatte.

Die Konten haben es nicht geschafft viele Menschen außerhalb der Kreise der französischen extemen Rechten zu erreichen.

Dennoch konnten weder Nimmo noch Oosterwoud feststellen, wer hinter den automatisierten Konten steckt.

Es ist einfach, Bots oder sogar Botnetze zu erschaffen, deshalb ist es "fast unmöglich nachzuweisen, wer dahinter steckt", so Oosterwoud. Er legt nahe, einen größeren Schwerpunkt darauf zu legen, den Ursprung der Fake-News zu ermitteln.

Scherzgeschichten

CrossCheck, eine Faktenchecking-Allianz der französischen Medien, die den Ursprung von Fake-News überwacht, fand nach der ersten Wahlrunde am 23. April neue Quellen.

Eine fingierte Geschichte, dass Macron plane die Türkei in die EU zu integrieren, wurde von der rechtsextremen, französischen Plattform On aime la France (Wir lieben Frankreich) in die Welt gesetzt.

CrossCheck stellte auch fest, dass mehrere Nachrichten, die in sozialen Netzwerken verbreitet wurden, in Wirklichkeit satirischer Natur waren, die nicht vorgaben wahr zu sein.

Eine Geschichte über Pläne Macrons die Familienzulagen abzuschaffen, begann als Witz in dem satirischen Forum Flashinfo.

Eine andere Geschichte über Macron, die besagte, dass er sich seine Hände nach Händeschütteln den Arbeitern wusch, war ebenfalls mit satirischen Inhalten verknüpft. In diesem Fall mit der Satirewebseite Le Gorafi. Laut CrossCheck wurde diese Geschichte hauptsächlich von französischen Rechtsextremisten und Unterstützern von Wladimir Putin geteilt.

"Auch wenn sich diese Nachrichten als falsch erwiesen, hatten diese Geschichten eine ausreichende Wirkung auf die sozialen Netzwerke", sagte Walid Salem von Rue89Bordeaux, ein CrossCheck-Mitglied.

Währenddessen setzen die russischen Kanäle ihre anti-Macron Berichterstattung fort, was den Kandidaten letzte Woche dazu veranlasste , Sputnik und RT von Wahlkampfveranstaltungen auszuschließen.

"Medien auszusperren, so richtig sich das auch anfühlen mag, ist keine Lösung", bemerkte Oosterwoud.

Er sagte, dass Faktenchecken und die Bevölkerung darüber aufzuklären wie redaktionelle Prozesse traditioneller Medien verlaufen, effizienter sind um Fake-News zu bekämpfen. Der US-amerikanische Experte Nimmo fügte hinzu, dass die Aufklärung der Öffentlichkeit zum Thema Fake-News auch stattfinden müsse.

Dieser Artikel wurde ursprünglich auf Englisch veröffentlicht.

This article was originally published in English.

Interview

Französische und deutsche Wahlen 'entscheidend' für Putin

Die Schwächung der EU durch Einflussnahme auf die französischen und deutschen Wahlen wird in diesem Jahr an erste Stelle der russischen Außenpolitik stehen, warnt der russische Oppositionsführer Mikhail Kassjanow.

Neuer Ausgabenskandal für Le Pens EU Fraktion

Eine interne Rechnungsprüfung, die von EUobserver gesehen wurde, weist einen Fehlbetrag von einer halben Million Euro in den Büchern der Fraktion Europa der Nationen und Freiheit auf

Richter bleiben an Le Pens Fall zu Scheinbeschäftigungen dran

Während die Europaabgeordneten am Montag begonnen haben einen Antrag zur Aufhebung der parlamentarischen Immunität von Marine Le Pen zu prüfen, versuchen in Paris Richter die Schlinge um die rechtsextreme, französische Anführerin enger zu ziehen.

News in Brief

  1. Venice Commission: Hungary should repeal NGO law
  2. Trump threatens to slap 20 percent tariff on EU cars
  3. EU closes deficit procedure against France
  4. Romania's ruling party leader gets jail sentence
  5. EU states defer individual decisions on asylum reforms
  6. Commission opens case on Qatar gas flow
  7. EU adopts posted workers directive
  8. EU leaders to call for 'coordinated plan' on AI

Stakeholders' Highlights

  1. Mission of China to the EUJointly Building Belt and Road Initiative Leads to a Better Future for All
  2. Macedonian Human Rights MovementMHRMI Launches Lawsuits Against Individuals and Countries Involved in Changing Macedonia's Name
  3. IPHRCivil society asks PACE to appoint Rapporteur to probe issue of political prisoners in Azerbaijan
  4. ACCASocial Mobility – How Can We Increase Opportunities Through Training and Education?
  5. Nordic Council of MinistersEnergy Solutions for a Greener Tomorrow
  6. UNICEFWhat Kind of Europe Do Children Want? Unicef & Eurochild Launch Survey on the Europe Kids Want
  7. Nordic Council of MinistersNordic Countries Take a Stand for Climate-Smart Energy Solutions
  8. Mission of China to the EUChina: Work Together for a Better Globalisation
  9. Nordic Council of MinistersNordics Could Be First Carbon-Negative Region in World
  10. European Federation of Allergy and AirwaysLife Is Possible for Patients with Severe Asthma
  11. PKEE - Polish Energy AssociationCommon-Sense Approach Needed for EU Energy Reform
  12. Nordic Council of MinistersNordic Region to Lead in Developing and Rolling Out 5G Network

Latest News

  1. Migration row at centre of EU summit This Week
  2. Merkel's woes cast shadow on EU's future
  3. Europe's tech race - trying to keep pace with US and China
  4. Merkel and Juncker's mini-summit risks fiasco
  5. Greece and creditors proclaim 'end of crisis'
  6. How a US firm pushed for EU €2.1trn pension fund
  7. Commission defends Africa migrant plan ahead of summit
  8. Bavaria hijacks EU migration talks

Stakeholders' Highlights

  1. Mission of China to the EUChina-EU Economic and Trade Relations Enjoy a Bright Future
  2. ACCAEmpowering Businesses to Engage with Sustainable Finance and the SDGs
  3. Nordic Council of MinistersCooperation in Nordic Electricity Market Considered World Class Model
  4. FIFAGreen Stadiums at the 2018 Fifa World Cup
  5. Mission of China to the EUChina and EU Work Together to Promote Sustainable Development
  6. Counter BalanceEuropean Ombudsman Requests More Lending Transparency from European Investment Bank
  7. FIFARecycling at the FIFA World Cup in Russia
  8. Nordic Council of MinistersOECD Report: Gender Equality Boosts GDP Growth in Nordic Region
  9. Centre Maurits Coppieters“Peace and Reconciliation Is a Process That Takes Decades” Dr. Anthony Soares on #Brexit and Northern Ireland
  10. Mission of China to the EUMEPs Positive on China’s New Measures of Opening Up
  11. Macedonian Human Rights MovementOld White Men are Destroying Macedonia by Romanticizing Greece
  12. Counter BalanceControversial EIB-Backed Project Under Fire at European Parliament

Join EUobserver

Support quality EU news

Join us